Anglertalk mit Clemens Ratschan

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Als hauptberuflicher Fischökologe ist Clemens Ratschan in der glücklichen Lage, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Die Neugier darüber, was in der Natur, speziell unter der Wasseroberfläche, so vor sich geht, war für ihn seit früher Kindheit eine wichtige Triebfeder. Ganz gleich, ob mit der Angel, dem Elektroaggregat, dem Fotoapparat oder dem Binokular – draußen in der Natur gibt es immer Unglaubliches zu entdecken. Beim Fischen zählt für Clemens die Information – aha, dort ist der Fisch gestanden! – und das Bewundern der Schönheit des Fangs. Eine kulinarische Verwertung findet er fallweise wichtig – das gehört einfach auch dazu – ist aber ein Bonus und sicher kein Muss. 

Was ist deine bevorzugte Angeltechnik?

Auf Salmoniden mit der Fliegenrute, auf Huchen gerne auch mit der Spinnrute, in der Donau auf Zander oder mit dem Feeder, gerne auch auf Renken. Die Abwechslung bereichert ungemein und sorgt für eine abwechslungsreiche Saison. 

Wenn du angeln gehst, was sind deine Top 5 Dinge, die du definitiv mitnimmst?

  • Fotoausrüstung – zusätzlich zu dem üblichen Gerätekram
    Auf Reisen nur das Existentielle – da bleibt leider oft zu wenig Platz und Gewicht für ausuferndes Angelzeug:
  • Schlafsack
  • Zelt
  • Kleidung
  • Proviant

Wann bzw. mit wem angelst du am liebsten?

Im Herbst/Winter auf Huchen und im Sommer vom Boot auf Hecht, beides gemeinsam mit guten Freunden. 

Mit wem würdest du gerne einmal angeln?

Da fallen mir sofort ein paar „Huchenspezis“ ein, deren Namen ich aber nicht veröffentlichen möchte. Es handelt sich dabei jedenfalls nicht um die üblichen Influencer, über die man in den sozialen Medien laufend stolpert. 

Welcher Fisch fehlt dir noch bzw. steht noch auf deiner “Liste”?

Gerne hätte ich Amazonien bereist, um das unglaubliche Ökosystem Regenwald und viele interessante Fischarten wie Pfauenbarsch, Arapaima etc. dort kennen zu lernen. Nachdem Reisen für mich nur auf eigene Faust in Frage kommt, und das eine schwierige Destination ist (Sprachbarrieren, schwieriges Terrain, fehlende Insider-Informationen …), wird daraus wohl in absehbarer Zeit eher nichts werden.  

An welchen Gewässern angelst du am liebsten? Oder wo möchtest du unbedingt einmal angeln?

Zuhause fische ich am liebsten in der Mur, der Donau und in den Voralpenseen – jedenfalls in Gewässern mit Wildfischen. Bei großen Gewässern reizt das Unbekannte, die Tiefe, bei kleinen die Naturnähe, die man leider an den großen Gewässern kaum mehr findet. Meine Angel-Expeditionen führten mich in den Norden, nach Lappland, Grönland, in die Mongolei und besonders gerne in den Fernen Osten Russlands. Dort gäbe es bis ins hohe Alter noch für jeden Tag im Jahr einen neuen Fluss oder See zu entdecken.

Bei hejfish gibt es einige Gewässer, die ideal für deine Vorlieben sind – welches davon magst du besonders?

Damit’s noch länger so bleibt, behalte ich das als Geheimnis 😉 Die Auswahl bei hejfish ist ja groß!

Gibt es ein besonderes Angelerlebnis, das du nie vergessen wirst?

Ja – dabei gewesen zu sein, wie ein riesiger Taimen 5 m vor den Füßen meines Reisepartners eine Rehhaarmaus mit einem lauten Plopp verschlang, den er anschließend an der Fliegenrute auch landen konnte. 

Was ist dein schönster bzw. eindrucksvollster Fang?

Für mich ist der „Wanderhuchen“ (Parahucho perryi), der nur mehr in einer Handvoll im Fernen Osten vorkommt, die schönste Fischart überhaupt und sehr schwer zu fangen. Nach tagelanger Schufterei durch die dichten Wälder im Fernen Osten ein kapitales Exemplar zu überlisten, war 2018 ein ganz besonderes Erlebnis. Leider nicht bei gutem Fotowetter. Nach der Überquerung des Werchojansker Gebirges in Jakutien zu Fuß, zu Pferd und zu Boot in einem abgelegenen Bergsee überraschend Saiblinge mit irren Proportionen zu finden war auch sehr eindrucksvoll. 

Was den Wert solcher Fänge ausmacht, ist die Mühe, die damit verbunden war, und die Naturschönheit auf dem Weg dorthin. So intensive Momente können kommerzielle Angelreisen nicht bieten, oder Besatzfische – je leichter es fällt, umso geringer ist das Erlebnis. Die besten Dinge im Leben kann man sich nicht kaufen und das ist auch gut so. 

© Clemens Ratschan

In deinem Spezialgebiet: Welchen Tipp würdest du einem Anfänger mitgeben? Bzw. hast du einen speziellen Trick, den du mit unseren Usern teilen möchtest?

Mein Tipp für das fischereiliche Spezialgebiet Huchenfischen: Eine Jahreskarte in einem der letzten wirklich guten Reviere anstreben, wobei jahrelanges faires Fischen und gute Freunde wichtig sind. Sich neben dem Fischen auch für den Erhalt des Reviers und des Fischbestands einsetzen. Dann fällt ein guter Fang unter „verdient“ und zählt ein Vielfaches – es ist wie eine langjährige Liebesbeziehung. 

Mein berufliches Spezialgebiet ist die Gewässerrenaturierung. Wir Fischer sollten mehr für den Erhalt der Gewässer tun, auch wenn es nicht das eigene Revier betrifft. Fischfressende Tiere können ein Problem sein. Das sollte aber kein Hindernis sein, die Kräfte beim Gewässerschutz mit Naturschutzorganisationen und anderen Naturfreuden zu bündeln. Wir dürfen nicht darauf vergessen, wenn wir auch übermorgen noch naturnahe Gewässer und Wildfische haben wollen. 

Wie motivierst du dich nach einem erfolglosen Tag?

Wichtig ist für mich das Wissen, dass der Zielfisch tatsächlich im Gewässer vorhanden ist und zwar in der Nähe meines Köders. Bin ich mir dessen sicher, kann ich mich auch für sehr lange Durststrecken motivieren. Warum? Weil ich weiß, dass speziell Raubfische eben nur selten Nahrung zu sich nehmen. Klappt‘s nicht, mache ich etwas falsch, oder muss einfach nur länger dranbleiben. Das ist Fischen!

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