Nachhaltige Bewirtschaftung von Gewässern II

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In unserem Beitrag „Nachhaltige Bewirtschaftung von Fließgewässern“ haben euch Die Bewirtschafter bereits erste Eindrücke für mögliche Maßnahmen einer nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung gegeben. In diesem zweiten Teil der Blog-Reihe zum Thema „Nachhaltige Bewirtschaftung“ erfahrt ihr nun, wie man die erhobenen Daten auswertet, interpretiert und welche Maßnahmen ergriffen werden können.

Auswertung der Fischbestandsdaten und Lebensraumanalyse

Nach Erhebung der Daten ist es nun an der Zeit, diese auszuwerten und richtig zu interpretieren. Darauf basierend kann dann eine Entscheidung für die Bewirtschaftung getroffen werden. Klingt einfach, aber was heißt das nun konkret?

Im besten Fall zeigt sich, dass das Revier noch weitestgehend unbeeinträchtigt ist und einen natürlichen, selbst reproduzierenden Fischbestand beherbergt. Hier muss man sich über den naturschutzfachlichen Wert dieses Juwels bewusst sein. Die Bewirtschaftung muss dahingehend angepasst werden, dass durch die Fischerei kein Schaden entsteht. Da der Fischbestand unbeeinträchtigt ist, sollten auf keinen Fall Besatzfische eingebracht werden. Dies hätte sowohl aus ökologischen aber auch aus ökonomischen Gründen keinen Sinn, da sich Besatzfische nachweislich nicht langfristig gegenüber Wildfischen behaupten können. Im schlimmsten Fall kann eine Einkreuzung das wertvolle Genmaterial der Wildpopulation verändert. 

Wichtig ist deshalb, die Entnahme auf diejenige Größenklasse zu legen, in der natürlicherweise von Jahr zu Jahr der größte Biomassezuwachs stattfindet. Von diesem Zuwachs kann man als Bewirtschafter “abschöpfen”, ohne die Population langfristig zu schwächen. Bei der Festlegung dieses sogenannten „Küchenfensters“ sowie der möglichen Entnahmemenge kann ein Fischökologe hilfreich sein. An diesen errechneten, theoretisch praktizierbaren Entnahmewert muss dieser nun die Anzahl an ausgegeben Lizenzen anpassen. Auch wir bewirtschaften die Vereinsgewässer Kleiner Kamp, Ybbs und Ois auf diese Weise. Es wird kein Besatz durchgeführt und es gibt eine begrenzte Anzahl von Lizenzen und Fischtagen. So stellen wir sicher, dass nicht mehr Fisch entnommen wird, als für das Gewässer verträglich wäre. Lizenzen für die beiden Gewässer Kleiner Kamp und Ybbs erhältst du bei hejfish.com.

Exkurs: Längen-Frequenz-Diagramm

Hier seht ihr ein Längenfrequenzdiagramm, welches den Aufbau einer intakten Bachforellenpopulation darstellt. Ein solches Diagramm ist meist das Ergebnis einer quantitativen Elektrobefischung. Auf der X-Achse  wird die Länge in 10 mm Schritten aufgetragen. Auf der Y-Achse wird die Anzahl der Individuen aufgetragen. Die Kreise markieren die einzelnen Jahrgänge der Bachforellen. Damit könnt ihr erkennen, ob alle Größenklassen vertreten, ob Defizite vorhanden sind und ob eine nachhaltige Entnahme möglich ist.

Welche Maßnahmen kann ich direkt am Gewässer treffen?

Aber was, wenn sich mein Revier nicht in einem solchen “Top-Zustand” befindet, wie es bei den meisten der mitteleuropäischen Gewässer leider der Fall ist? Dann ist es zunächst einmal wichtig, sich über die Defizite klar zu werden und zu überlegen, wie man diese am besten beseitigen könnte. Das klingt natürlich so Schwarz auf Weiß deutlich einfacher, als es tatsächlich ist.

Die meisten Verschlechterungen der Gewässer – und damit Fischbestände – sind häufig ein komplexes Wirkungsgefüge verschiedenster Einflüsse. Deshalb ist es wichtig, die bei der Defizitanalyse gemachten Beobachtungen und Daten genau zu betrachten. Um so die Probleme im Kern anpacken zu können. Angenommen, in eurem Gewässer fehlen Laichhabitate aufgrund von Geschiebemangel oder Kolmation der Gewässersohle durch Feinsedimente, welche Managementmaßnahmen stehen euch in so einem Fall zur Verfügung?  Können sich die vorhandenen Adultfische nicht erfolgreich reproduzieren, geht´s mit dem Fischbestand bergab.

In diesem Fall ist es wichtig, sich dafür einzusetzen, dass entsprechende Schlüsselhabitate geschaffen werden. Im kleinen Umfang kann man das relativ einfach selbst umsetzen. Zum Beispiel kann man festgebackene Kieslaichplätze wieder händisch auflockern oder neuen Kies einbringen. Im größeren Stil ist das für den Bewirtschafter alleinig oft nicht mehr umzusetzen.

Doch auch hier können die Bewirtschafter und Angler sich als Interessensgruppe dafür einsetzen, solche Maßnahmen vorzuschlagen und voranzutreiben – ehrenamtliche Arbeitskräfte inklusive. Details zur Schaffung von Laichplätzen könnt ihr dieser Broschüre entnehmen. 

Das Ganze macht als alleinstehende Maßnahme nur Sinn, wenn noch ein gewisser Bestand an adulten Fischen vorhanden ist, welche die neu geschaffenen Laichhabitate auch nutzen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man die Maßnahme mit einem Cocooning-Projekt kombinieren. Dabei werden Fischeier mittels spezieller Cocooning-Behälter in den Kies eingebracht. Details dazu findet ihr in dieser Publikation

Bild von Santa3 auf Pixabay

Es gibt auch noch viele weitere Maßnahmen, welche von euch direkt am Gewässer getroffen werden können. Dazu zählen die Schaffung von kleinräumigen Strukturen durch Einbringung von Raubäumen und Wurzelstöcken oder die Schaffung von kleinen Buhnen.

Macht Fischbesatz Sinn?

Für die nachhaltige Bewirtschaftung ist es wichtig zu verstehen, dass solche lebensraumverbessernden Maßnahmen langfristig die beste Möglichkeit darstellen, um ein Gewässer und dessen Fischbestand wieder in einen halbwegs naturnahen Zustand bringen. Das häufig verwendete Allheilmittel Fischbesatz kann zwar kurzfristig dazu führen, dass wieder mehr Fische im Revier sind. Finden diese jedoch keine passenden Habitate vor, werden sie relativ schnell wieder verschwinden. Da sie sich zudem gegenüber den Wildfischen nicht durchsetzen können und bei einer Reproduktion auch noch das heimische Erbgut verschlechtern können, stellt Besatz wirklich keine Lösung des Problems dar. Investitionen in den Lebensraum sind hier die bessere Option.

Zudem ist ganz grundsätzlich einmal sinnvoll, sich als Bewirtschafter innerhalb des Gewässers zusammen zu schließen. Da Fließgewässer offene Systeme darstellen, also ein (ökologischer) Austausch zwischen ihren Abschnitten besteht, sollte dieser Austausch auch im Hinblick auf die Bewirtschaftung der einzelnen Abschnitte mit einbezogen werden. Die althergebrachte Hoffnung “mein Fisch muss in meinem Bachabschnitt bleiben” ist aus ökologischer Sicht hinfällig. Bei genauerer Betrachtung, sofern es sich nicht um eine unpassierbare Staukette handelt, ist das auch nicht realistisch. Ein Beispiel eines solchen Bewirtschafter-Zusammenschlusses ist die Arbeit des Vereins „Rettet die Ybbs-Äsche“

Welche Möglichkeiten bleiben mir als Bewirtschafter sonst noch?

Als Fließgewässerbewirtschafter habt ihr, abgesehen von Vor-Ort-Maßnahmen, auch noch andere Möglichkeiten, den Lebensraum „Fließgewässer“ positiv zu beeinflussen. Manchmal wird es seitens anderer Gewässernutzer nicht immer ganz genau genommen, was die Einhaltung des Wasserrechts betrifft. Sollten euch potenzielle Verstöße gegen das Wasserrecht auffallen dann scheut euch nicht, die zuständigen Behörden zu kontaktieren.

Wichtig in diesen Fällen ist eine ordentliche Dokumentation der Vorfälle zur Beweissicherung. Diese können dann auch bei späteren allfälligen Schadensersatzforderungen hilfreich sein. Als Beispiele können hier eine zu geringe Dotation von Restwasserstrecken, Schwall und Sunk-Ereignisse durch zu schnelles Absenken oder Füllen von Stauhaltungen, durch den Menschen verursachte Eintrübungen (im Speziellen während der Laichzeit), Verschmutzungen durch Industrie, etc. genannt werden. Oft sind sich die Verursacher nicht über die Auswirkungen auf die Fischfauna bewusst. Daher ist es die Aufgabe des Gewässerbewirtschafters, dafür zu sensibilisieren und ein Bewusstsein zu schaffen. Oft muss dies auch über den Behördenweg erfolgen, um eine nachhaltige Änderung zu erreichen. 

Wir hoffen, euch mit den beiden Artikeln einige Möglichkeiten für die nachhaltige Bewirtschaftung von Gewässern aufgezeigt zu haben. Bei Fragen dazu könnt ihr euch gerne bei uns melden. Bis bald am Wasser!

Weitere Publikationen findet ihr hier.

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