Wer hat das Angeln erfunden? – Geschichte des Angelns

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Die Geschichte des Angelns hat kein fixes Startdatum. Seit Urzeiten dient das Angeln unseren Vorfahren neben dem Jagen und Sammeln als eine Grundlage für die Nahrungsbeschaffung. Forscher gehen davon aus, dass an Flüssen und Seen schon vor über 140.000 Jahren geangelt wurde.

Alles begann mit einem Haken

Zu Beginn fingen die Menschen ihre Fische noch mit bloßen Händen. Auf der Suche nach Möglichkeiten, Ihre Fangchancen zu erhöhen, entdeckten unsere Vorfahren, dass sie mit Hilfsmitteln wie Speeren, Netzen oder Haken mehr Erfolg erzielten. Bis der erste richtige Angelhaken zum Einsatz kam, dauerte es jedoch noch einige Zeit.

Mit einem geschätzten Alter von 16.000 bis 23.000 Jahren ist das Bruchstück eines stäbchenförmigen Angelhakens (Stabhaken) das älteste seiner Art. Der Haken wurde aus der Schale einer Meeresschnecke hergestellt und 2001 in der Jerimalaihöhle in Osttimor gefunden. Neben dem Haken entdeckten die Archäologen in der Höhle auch Gerippe von Hochseefischen, die darauf hindeuten, dass die Menschen bereits vor 42.000 Jahren in den Hochseegewässern zwischen Australien und Südostasien auf Fischfang gingen.

Angelhaken aus Knochen gefunden in Japan 1000 – 300 v. Chr. | Quelle: Ausstellung in Metropolitan Museum of Art, New York

Die bislang ältesten gekrümmten Angelhaken (Krummhaken) wurden in Wustermark in Brandenburg gefunden. Dabei handelt es sich um sechs 12.300 Jahre alte Angelhaken, die aus 19.000 Jahre altem Mammut-Elfenbein bestehen. Die damaligen Menschen der Federmesser-Kultur dürften den Zahn eines ausgestorbenen Mammuts gefunden haben, aus dem dann kurzerhand hakenförmige Angelhaken geschnitzt wurden.

Die ersten einfachen Angeln

Die damaligen Angelhaken waren mit einer Länge von 8 – 15 Zentimetern auffällig groß und eigneten sich nur zum Fang großer Fische wie Hechte und Welse. Sie hatten einen Stiel und waren an dessen Ende angebunden. Sekundäre Widerhaken gab es noch nicht. Die Schnur wurde zuerst an der Zwiesel (Gabel), dann in der Mitte und schließlich am Ende eines Stabes befestigt. 

Als Material für die Angelschnur dienten Rentiersehnen, Pferdehaare, Fasern der Brennnessel oder Pflanzenwurzeln. Als Köder wurden Würmer, kleine Fische, Krebstiere und Muscheln eingesetzt.

Speerfischer auf Hawaii – entstanden um 1890 | Quelle: Wikimedia

Die Vorteile des Angelns gegenüber der Netz- und Reusenfischerei sind, dass auch kleinere Fische, die mit Speeren und Pfeilen kaum zu treffen sind, gefangen werden können. Selbst bei geschlossener Eisdecke und in trübem oder sehr tiefem Wasser kann man mit dieser einfachen Methode noch gute Erfolge erzielen.

Die Technik entwickelt sich weiter

In der Geschichte des Angelns kristallisierte sich die Technik, mit Rute, Schnur und Haken zu angeln, immer mehr heraus. Ab ungefähr 6.000 vor Christus wurden sogar erste Posen aus Baumrinde eingesetzt. 3.000 vor Christus entstanden erste ägyptische Zeichnungen mit Anglern, die mit Rute und Schnur auf die Jagd nach Fischen gingen.

Theokrat fertigte um 300 v. Chr. die erste literarische Beschreibung zum Angeln an. Er beschrieb einen Köder, der täuschend echt an einer Rute baumelte. Es besteht die Vermutung, dass das Angeln aus reinem Vergnügen betrieben wurde. Denn die soziale Schicht, in der Theokrat wandelte, musste nicht Hunger leiden und durch das Angeln von Fischen ihren Nahrungsvorrat aufstocken. Damit begann bereits im antiken Griechenland ein Wandel in der Geschichte des Angelns – von der lebensnotwendigen Tätigkeit zur Nahrungsgewinnung hin zum Hobby, das aus Vergnügen und Liebe zur Natur ausgeübt wurde.

Aus der chinesischen Historie ist bekannt, dass Chinesen bereits 200 v. Chr. mit seidenen Schnüren und metallenen Haken angelten. Ungefähr zur gleichen Zeit verwendeten die Mazedonier schon Kunstköder aus Haaren und Federn.

Die Geschichte des Angelns nimmt Fahrt auf

Als das Christentum sich bis in alle Bereiche Europas ausbreitete, verursachten die strengen christlichen Fastenregeln, die Fleisch verboten, aber den Genuss von Fisch erlaubten, einen immensen Fischbedarf. Wobei die einfache Bevölkerung wohl kaum einen Fisch auf den Teller bekam. Fisch wurde teuer bezahlt und diente als Delikatesse auf höfischen Tafeln sowie als Gastgeschenk an Fürsten. Die Fischerei war, wie die Jagd, streng reglementiert und zunächst ein Regal (königliches Recht), das jedoch verliehen werden konnte. 

Klöster – allen voran die Zisterzienser, denen Fleischgenuss gänzlich untersagt war – pflegten zur Deckung ihres Fischbedarfs eine umfangreiche Fischerei. Bei der Anlage von Klöstern suchte man die Nähe von Flüssen. Später wurde zudem häufig eine extensive Teichwirtschaft in künstlich angelegten Weihern betrieben, die sich seit dem frühen Mittelalter nachweisen lässt und ihren Höhepunkt im 15. Jahrhundert erreichte. 

hejfish-Tipp: Der deutsche Begriff ‚Angel‘ bezeichnete zu Beginn nur den Haken und stammte vom Wort ‘ange’ (mittelhochdeutsch 8. Jh.) für Spitze ab, wobei die Wurzel ‘ang’ biegen oder krümmen bedeutet. Erst später wurde das gesamte Gerät so bezeichnet und für den Haken musste ein neuer Begriff – Angelhaken (16. Jh.) – eingeführt werden. Quelle: https://www.dwds.de/wb/Angel

Der Angler wird zum Sportfischer

Von echter Sportfischerei wird erst seit rund 500 Jahren gesprochen. Freifrau Juliana Berners beschreibt das Angeln mit Haken, Rute und Schnur zur Erholung in ihrem Buch ”The Treatise of Fyshynge Wyth an Angle”, das um 1496 in England veröffentlicht wurde.

Zeichnung „Angeln vom Boot“ – entstanden um 1895 | Quelle: Wikimedia

Rund 150 Jahre später erschien “The Complete Angler or The Contemplative Man’s Recreation” (dt. Der vollkommene Angler) von Izaak Walton – ein Klassiker der Angelliteratur. Walton prägte den Begriff Sportfischer im Sinne einer Person, die zur Erbauung angelt und gleichzeitig das Leben in der Natur ebenso hoch schätzt, wie sein Hobby. Da Gewässer zu dieser Zeit schwierig zu erreichen und noch schwieriger zu beangeln waren, galt das Angeln als große Leistung und Abenteuer. Der Angler wurde allgemeinhin als ein Naturbursche angesehen. Waltons Buch ging in die Geschichte des Angelns ein und wird als Weltliteratur angesehen.

Geschichte des Angelns – wer erfand die Rolle?

Haken, Schnur und Rute sind so alt wie die Geschichte des Angelns selbst, da sie seit Tausenden von Jahren zusammen eingesetzt wurden, um Fischen nachzustellen. Die Rolle ist im Vergleich dazu eine regelrechte Neuheit und existiert in Europa erst seit ungefähr 350 Jahren.

Stationärrolle | Bild erstellt von Evan Wise

Die ersten Rollen waren einfache Schnurbehälter und nicht zum Auswerfen geeignet. Sie wurden ähnlich wie heutige Fliegenrollen eingesetzt – vor dem Angeln zog man die nötigen Meter Leine ab, warf und drillte dann über die Finger. Am Ende des Angeltags rollte man die grobe Leine wieder auf.

In der europäischen Angelliteratur findet sich 1651 in “The Art of Angling” zum ersten Mal der Begriff „Rolle“. Der Engländer Thomas Barker beschreibt in seinem Werk einen Angler, der ein rollenähnliches Gerät zum Schleppangeln auf Hecht einsetzt: „… er drehte eine Trommel, um seine Schnur einzuholen, und um sie nach Belieben freizugeben.“

hejfish-Tipp: Bereits 500 Jahre vor Thomas Barker saßen chinesische Angler mit speichenradförmigen Achsrollen auf Fische und Schildkröten an. Die älteste Zeichnung stammt von Ma Yuan aus dem Jahr 1195. Sie zeigt einen Bootsangler in einer Winterlandschaft, der ein rollenähnliches Gerät auf seiner Rute montiert hat.

Die erste Verkaufsanzeige für eine Rolle ging 1726 in Druck. Der Londoner Hakenschmied Charles Kirby annoncierte in einer Zeitung: „Ich verkaufe auch die beste Sorte von Winchen.“

Erfolg der Nottingham Rolle

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Rollen aus lackiertem Walnussholz in Mode. Diese Modelle traten am Fluss Trent in der englischen Grafschaft Nottingham ihren Siegeszug an. Die erste Rolle dieser Art wurde kurz vor 1850 von Samuel Lowkes in der Upper Parliament Street in der Stadt Nottingham angeboten. 

Die leicht laufenden Nottingham-Rollen waren die ersten wirklich wurffähigen Modelle der Welt. Ihre Vollendung erhielten die Holzrollen durch den ebenfalls aus Nottingham stammenden Angelbuchautor Henry Coxon. Er ersetzte die Holzspule 1896 durch eine filigrane Metallspule mit dünnen Speichen, und schuf so seidenweich laufende Achsrollen. Coxons Modell wurde als „Allcocks Aerial“ weltberühmt.

Bis zur Stationärrolle war es auch nach der Erfindung der Nottinghamrolle ein weiter Weg. 1878 entwickelten G.R. Holding und 1884 der Schotte Peter Malloch die ersten Wenderollen, so genannte „Sidecaster“. Diese Nottinghamrollen ließen sich um 90 Grad drehen, so konnte man fast wie mit einer Stationärrolle über den Spulenrand werfen. 

Als Erfinder der ersten Sationärrolle mit feststehender Spule und Wickelautomat gilt heute A. Holden Illingworth, ein Weberei-Besitzer aus Bradford. Die 1905 veröffentlichte Roller, ermöglichte weite Würfe ohne großes Gewicht. 

Wer erfand die Angelrute?

Ungefähr zur gleichen Zeit, wie sich die Forschung im Rollenbau intensivierte, begannen Versuche mit verschiedenen Holzarten und Rutenkonstruktionen. Die Forschung ging besonders von Fliegenfischern aus, die nach besseren Geräte suchten, um ihren Fangerfolg zu erhöhen und weitere Strecken abzuwerfen.

Sammlung von Angelruten | Bild von Anne Nygård

Die eigentliche Entwicklung der Fliegenruten begann etwa um 1840, als die Engländer exotische Hölzer für den Rutenbau testeten – darunter Haselnuss, Hickory, Speerholz und Hartholz. Die Holzsorten Lancewood und Greenheart stachen dabei besonders heraus. Beide Holzarten hatten sich viele Jahre im Schiffbau bewährt. Zudem wurden sie in großen Mengen importiert, sodass genügend Ressourcen zur Verfügung standen.  

Der große Entwicklungsschritt, der den Rutenbau zum Durchbruch geführt hat, gelang John Higginbotham. Der Rutenbauer und Händler verwendete geschnittene Spleißen in Dreiecksform aus den oben genannten Hölzern, verleimte diese und stellte somit drei- bzw. vierspließige Rutenkonstruktionen her. Diese lösten die gewachsenen Ruten schnell ab. Das lag vor allem daran, dass diese Konstruktion erstmals die Fähigkeit besaß eine Leine zu werfen, was durch Gewichtsverringerung und Reduzierung der Kopflastigkeit erreicht wurde.

Mit dem Spleißen etablierte sich Bambus als neues Material für Angelruten. Die Pflanze wuchs schnell und besaß mit ihrem geringen Gewicht hervorragende Eigenschaften für das Angeln. Die Ruten aus gespleißtem Bambus waren leichter zu handhaben und erlaubten weitere Würfe.

Die heutigen Angelruten werden vornehmlich aus Kunststoffen wie Kohlefaser oder Kunststoffe aus Glasfaser hergestellt. Diese Materialien lassen sich in der Massenproduktion besser verarbeiten. Die Materialien sind höchst biegsam und nicht mehr so bruchanfällig wie damalige gespleißte Angelruten.

Literatur, die einen Teil der Geschichte des Angelns darstellt

Ob zum Weiterlesen oder als Geschenk für einen Angler – hier listen wir dir ein paar echte Klassiker der Angelliteratur auf:

  • ”The Treatise of Fyshynge Wyth an Angle” – Freifrau Juliana Berners, um 1496 in England
  • “Der vollkommene Angler“ (engl. Orig. „The Complete Angler“) – Izaak Walton, 1653 in England
  • “The Art of Angling” – Thomas Barker, 1651 in England
  • „Die Kunst der Fliegenfischerei“ – John Horrocks, 1879 Deutschland
  • „Angler’s Instructor“ – William Bailey, 1857 England
  • „Angelsport im Süsswasser“ – Dr. Karl Heintz, 1903 Deutschland

Quellen:

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